Planung & Grundlagen

Küche im Neubau planen: Was muss wann feststehen?

Im Neubau ist nicht entscheidend, wann die Küche bestellt wird. Entscheidend ist, wann Grundriss, Geräte und Anschlüsse so weit feststehen, dass die anderen Gewerke richtig weiterarbeiten können.

Küche im Neubau planen: Was muss wann feststehen?
Lesezeit: 5 min Aktualisiert: 10.09.2026 Geprüft: Daniel Klas

Die Küche sollte geplant werden, bevor die Anschlüsse festgelegt werden

Bei einem Neubau wird die Küche manchmal gedanklich nach hinten geschoben: Erst Rohbau, dann Elektro, Wasser und Boden – und irgendwann sucht man die Küche aus. Für die technische Planung ist diese Reihenfolge problematisch.

Elektro- und Wasseranschlüsse hängen direkt davon ab, wo später Spüle, Geschirrspüler, Kochfeld, Backofen, Kühlgerät und weitere Geräte stehen. HEA empfiehlt deshalb, Elektro- und Wasseranschlüsse bei einem Neubau frühzeitig zu planen. Erst wenn die Positionen der Großgeräte festgelegt sind, lassen sich die benötigten Steckdosen und Geräteanschlüsse sinnvoll bestimmen.

Das bedeutet nicht, dass zu diesem Zeitpunkt bereits Frontfarbe, Griff oder jedes Ausstattungsdetail entschieden sein müssen. Aber der funktionale Grundriss der Küche sollte belastbar sein.

Schritt 1: Grundriss und Raum zuerst klären

Am Anfang steht nicht das Küchenmöbel, sondern der Raum. Ein Architekturplan ist eine gute Grundlage, ersetzt aber nicht die Prüfung aller planungsrelevanten Details.

  • Position und Größe von Fenstern und Türen
  • Öffnungsrichtungen von Türen und Fenstern
  • Brüstungshöhen und Fensterbänke
  • Wandvorsprünge, Schächte und Kamine
  • geplante Wandaufbauten
  • Raumhöhe und Deckenaufbau
  • geplanter Bodenaufbau und fertige Fußbodenhöhe
  • Fußbodenheizung
  • Position einer möglichen Kücheninsel
  • Zu- und Abluft beziehungsweise geplante Abluftführung

Gerade im Neubau muss außerdem zwischen Rohbaumaß und späterem Fertigmaß unterschieden werden. Putz, Bodenaufbau und andere Bauteilschichten verändern die tatsächlich verfügbare Raumgröße.

Die AMK empfiehlt bei einem noch nicht fertiggestellten Boden ausdrücklich, die spätere fertige Aufbauhöhe und den vorgesehenen Bodenbelag zu dokumentieren. Bei Kücheninseln ist außerdem die Fußbodenheizung relevant, wenn Möbel oder andere Bauteile am Boden befestigt werden sollen.

Schritt 2: Die funktionale Küche planen

Bevor Installationspunkte festgelegt werden, sollte geklärt sein, wie die Küche grundsätzlich aufgebaut wird.

  • Wo stehen Hochschränke und Kühlgerät?
  • Wo befindet sich die Spüle?
  • Wo steht der Geschirrspüler?
  • Wo soll vorbereitet werden?
  • Wo befindet sich das Kochfeld?
  • Wird eine Kücheninsel geplant?
  • Welche Geräte werden eingebaut?
  • Ist Abluft oder Umluft vorgesehen?
  • Wo werden Kaffeemaschine, Küchenmaschine und andere Kleingeräte genutzt?
  • Wie sollen Arbeitsflächen und Wege beleuchtet werden?

Erst aus diesen Entscheidungen entsteht ein sinnvoller Installationsplan.

Das ist auch der Grund, warum ich eine Neubauküche möglichst nicht vom Steckdosenplan aus plane. Die Nutzungsabläufe bestimmen die Küche – und aus der Küche ergeben sich anschließend die technischen Anschlusspunkte.

Elektroplanung: Erst Gerätepositionen, dann Steckdosen

Die Elektroplanung einer Küche besteht aus mehr als einer Herdanschlussdose und einigen Steckdosen über der Arbeitsplatte.

Nach Angaben der HEA können Geräteanschlussdosen und Steckdosen sinnvoll eingeplant werden, sobald die Positionen der vorgesehenen Großgeräte feststehen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Kochfeld beziehungsweise Herd
  • Backofen
  • Dampfgarer oder Kombigeräte
  • Geschirrspüler
  • Kühl- und Gefriergeräte
  • Dunstabzug
  • gegebenenfalls Warmwassergerät

Zusätzlich braucht die Arbeitsfläche ausreichend Anschlüsse für die tatsächlich verwendeten Kleingeräte. Verlängerungsleitungen und Mehrfachsteckdosen sind kein Ersatz für eine geplante Elektroinstallation.

HEA weist außerdem darauf hin, dass für geplante Geräte mit Anschlusswerten ab 2.000 Watt ein eigener Stromkreis vorgesehen werden soll. Die konkrete elektrische Auslegung, Leitungsführung und Absicherung gehört jedoch immer in die Planung und Ausführung des Elektrofachbetriebs.

Wie viele Steckdosen braucht eine Neubauküche?

Eine pauschale Zahl für jede Küche ist wenig hilfreich. Eine kleine Küchenzeile hat einen anderen Bedarf als eine große Wohnküche mit Insel, Kaffeeplatz und mehreren Einbaugeräten.

Für die Elektroplanung können die Ausstattungswerte der RAL-RG 678 als Orientierung genutzt werden. ELEKTRO+ unterscheidet dabei Mindest-, Standard- und Komfortausstattung und stellt dafür einen Raumplaner zur Verfügung.

Entscheidend bleibt trotzdem die konkrete Nutzung: Wo steht dauerhaft die Kaffeemaschine? Wo wird der Mixer verwendet? Gibt es eine Küchenmaschine, einen Toaster, einen Wasserkocher oder Ladepunkte?

Steckdosen sollten deshalb nicht nur gezählt, sondern den späteren Funktionen zugeordnet werden.

Wasseranschluss: Spüle und Geschirrspüler gemeinsam denken

Auch der Wasseranschluss sollte nicht festgelegt werden, bevor die Spülenzone geplant ist.

Zur Planung gehören mindestens Kalt- und Warmwasser, Abwasser sowie die Versorgung des Geschirrspülers. Zusätzliche Geräte wie Wasseraufbereitung, Kochendwassersysteme oder andere wasserführende Geräte können weiteren Platz und weitere Anschlüsse benötigen.

HEA empfiehlt bei Geschirrspülern, Gerätesteckdose sowie Wasserzu- und -ablauf aufgrund der Gerätetiefe im Bereich des geplanten Spülenunterschranks unterzubringen. Anschlüsse unmittelbar hinter tiefen Einbaugeräten können die Montage und spätere Zugänglichkeit erschweren.

Die AMK weist ebenfalls darauf hin, dass Eckventile und andere Anschlüsse zugänglich bleiben müssen.

Dunstabzug schon im Rohbau mitdenken

Ob die Küche mit Umluft oder Abluft arbeiten soll, sollte ebenfalls früh entschieden werden.

Bei einer Abluftlösung beeinflussen Position des Kochfeldes, Leitungsweg und Mauerdurchführung die Bauplanung. HEA empfiehlt Abluftleitungen möglichst kurz und geradlinig zu führen und unnötige Reduzierungen und Umlenkungen zu vermeiden, weil diese den Strömungswiderstand erhöhen können.

In energieeffizienten beziehungsweise sehr luftdichten Gebäuden muss eine Abluftlösung außerdem mit dem Lüftungs- und Gebäudekonzept abgestimmt werden.

Eine Kernbohrung erst nach Fertigstellung der Küche festzulegen ist deshalb vermeidbarer Mehraufwand.

Vor dem Estrich: Kücheninsel und Bodenaufbau klären

Eine Kücheninsel ist im Neubau besonders planungsrelevant. Je nachdem, welche Funktionen sie übernimmt, können Strom-, Wasser- oder andere Leitungswege bis zur Insel erforderlich sein.

Spätestens bevor der Bodenaufbau endgültig ausgeführt wird, sollte deshalb geklärt sein, wo die Insel steht und welche technischen Funktionen dort vorgesehen sind. Welche Leitungen tatsächlich im Boden geführt werden und wie dies konstruktiv ausgeführt wird, entscheiden die beteiligten Fachplaner und Gewerke.

Ebenfalls wichtig ist die fertige Aufbauhöhe des Bodens. Sie beeinflusst die späteren Höhenbezüge der Küche. Die AMK nennt sowohl den fertigen Bodenaufbau als auch eine vorhandene Fußbodenheizung ausdrücklich als relevante Informationen für das Küchenaufmaß.

Lichtplanung gehört ebenfalls vor die Elektroinstallation

Auch die Beleuchtung sollte nicht erst nach der Küchenbestellung ergänzt werden. Deckenauslässe über einer Kücheninsel, Pendelleuchten über dem Essplatz und Anschlüsse für Arbeitsflächenbeleuchtung hängen von der fertigen Raumplanung ab.

Grundlicht, Arbeitslicht und Stimmungslicht sollten dabei unterschiedliche Aufgaben übernehmen und möglichst getrennt steuerbar sein.

Wo später gearbeitet wird, sollte deshalb schon bekannt sein, wenn der Elektriker Leitungen und Lichtauslässe plant.

Das endgültige Aufmaß kommt später

Frühe Küchenplanung und finales Küchenaufmaß sind zwei verschiedene Dinge.

Für die technische Vorplanung reicht zunächst ein belastbarer Architektur- beziehungsweise Bauplan. Das endgültige Aufmaß sollte jedoch auf dem tatsächlich entstandenen Raum basieren.

Die AMK empfiehlt grundsätzlich, ein Aufmaß erst dann durchzuführen, wenn geplante Umbaumaßnahmen abgeschlossen sowie Putz, Estrich und Installationen vorhanden sind. Je nach Projekt können weitere beziehungsweise spätere Nachaufmaße erforderlich sein, etwa für Arbeitsplatten, Nischen oder Verkleidungen.

Damit lässt sich eine typische Falle vermeiden: Die Küche wird nicht blind nach Rohbaumaßen gefertigt, obwohl sich der fertige Raum noch verändert.

Was muss zu welchem Zeitpunkt feststehen?

  • Frühe Bauplanung: Grundriss, Fenster, Türen, Küchenbereich, gewünschte Küchenform und mögliche Insel.
  • Vor Elektro und Wasser: funktionale Küchenplanung, Spüle, Kochfeld, Geschirrspüler, Kühlgerät, Backofen und weitere relevante Gerätepositionen.
  • Vor Elektroinstallation: Steckdosen, Geräteanschlüsse, Lichtauslässe, Arbeitslicht und gegebenenfalls Steuerungen.
  • Vor wasserführenden Installationen: Position von Spüle, Geschirrspüler und zusätzlichen wasserführenden Geräten.
  • Vor relevanten Arbeiten am Bodenaufbau: Inselposition, benötigte Anschlüsse, fertige Bodenaufbauhöhe und Fußbodenheizung berücksichtigen.
  • Vor Abluftdurchführungen: Kochfeldposition, Art des Dunstabzugs und geplanter Leitungsweg.
  • Vor dem finalen Küchenaufmaß: relevante Bauarbeiten, Putz, Estrich und Installationen fertigstellen.
  • Vor der endgültigen Fertigungsfreigabe: finale Maße und alle planungsrelevanten Änderungen noch einmal abgleichen.

Der häufigste Fehler ist nicht die falsche Küche, sondern die falsche Reihenfolge

Im Neubau lassen sich viele spätere Kompromisse vermeiden, wenn Küche und Raum früh zusammen geplant werden.

Ein wenige Zentimeter versetztes Fenster, ein ungünstig platzierter Wasseranschluss oder ein Deckenauslass, der nicht über der späteren Insel sitzt, sind keine großen Baufehler. Sie können die Küchenplanung aber unnötig einschränken oder spätere Änderungen verursachen.

Deshalb muss eine Küche im frühen Planungsstadium noch nicht bis zur letzten Front entschieden sein. Ihr funktionaler Aufbau sollte aber stehen, bevor die technischen Gewerke ihre Anschlüsse festlegen.

Das ist für mich der entscheidende Unterschied zwischen Möbelplanung und Raumplanung.

Quellen und weiterführende Informationen

Bild- und Mediennachweise

Neubau? Die Küche sollte vor den Anschlüssen stehen.

Schick uns deinen aktuellen Grundriss. Wir prüfen Küchenaufteilung, Gerätepositionen und die planungsrelevanten Schnittstellen zu Elektro, Wasser, Licht und Boden, bevor daraus später unnötige Kompromisse werden.

Grundriss prüfen lassen